Hamnet - Shakespeare-Oscar-Zwiespalt. Kino-Start & Max Richter-OST

hamnet
Universal - D-Kinostart 22.01.2026 / Original Motion Picture Soundtrack - Music by Max Richter - DG / Universal
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William Shakespeares kleiner Sohn Hamnet stirbt im England des ausklingenden 16. Jahrhunderts an der Pest, nachdem zuvor seine Zwillingsschwester todgeweiht schien. In der bis dahin abgelaufenen Filmstunde wird man Zeuge, wie ein blasser Paul Mescal als Dramaturg die naturbeseelte Bauerstochter & Falknerin Jessie Buckley zur Frau nimmt und eine Familie gründet. Beider Welten haben sich trotz dreier Kinder nie ganz verbunden - sie beackert das enge Zuhause im düsteren Stratford, er dichtet, inszeniert und wohnt meist im fernen London am Theater. Dies kulminiert darin, dass der in seiner Arbeit aufgehende Vater den durchaus geliebten Knaben nach später Rückkehr nurmehr tot auffindet. Der waidwunde Poet stürzt sich in die Arbeit, unverstanden von der doppelt verletzten Gattin, die dessen Trauerarbeit erst wieder durch seine Verse begreift, als sie dessen Drama Hamlet im Globe Theatre der großen Stadt miterlebt. Shakespeares großes Drama wird im individuellen Verlust handlich gemacht und im Finale zu Max Richters vorbestehenden On The Nature Of Daylight zum hart am Kitsch manövrierenden Tearjerker. Wer mit Performance & Chemie des Lead-Duos bis hier nicht warm wurde, fühlt sich dann endgültig von Zhaos Inszenierung über Gebühr manipuliert. Die Regisseurin baute, auf der historisch einigermaßen gesicherten familiären Konstellation Shakespeares (Emily Watson als dessen Mutter Mary) inklusive dem Tod des Knaben, mit Ausschmückung durch Co-Drehbuchautorin O´Farrell ein von Natur- und Wald-Bildern angefülltes, streng kontrolliertes `Ökosystem´ um Set und Film - die Crew tanzte nach der Hamnet-Sterbeszene zum Bee Gees-Wiederbelebungs-Hit Staying Alive... Und nun die Oscars®... Nach der Golden Globes-Auszeichnung als bestes Filmdrama regneten gleich acht Nominierungen auf das von den beiden Academy Award-Gewinnern Sam Mendes und Steven Spielberg mitproduzierte Shakespeare-Mash-up nieder. Die Tuchfühlung mit dem weltberühmten Tragöden hat dort vor einem Vierteljahrhundert schon prächtig funktioniert: die AA-Jury überschüttete Anno 1999 die leichte wie seichte Liebeskomödie Shakespeare in Love geradezu - gegen stärkere Konkurrenz. Auch Hauptrollen-Preisträgerin Gwyneth Paltrows tränenüberströmte Akzeptanzrede (in der sie u.a. der auch damals mitnominierten Emily Watson dankte - wird sich hier ein abstruser Kreis schließen?) ging in die Oscar-Annalen ein. Muss man sich nun Sorgen machen, dass dieser zwiespältige Film eine oder mehrere Hauptkategorien abräumen wird? Absolut, denn neben Jessie Buckley (für die beste weibliche Hauptrolle) steht Hamnet in den Kategorien Bester Film, Regie, adaptiertes Drehbuch (Zhao & O´Farrell), Casting (Nina Gold), Szenenbild (Fiona Crombie & Alice Felton), Kostümdesign (Malgosia Turzanska) ♦ UPI-Film-Website ♦ |
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...Dafür mitnominiert: Max Richters in Abbey Road gemasterter Score zu Hamnet (Original-Soundtrack). Richter vertont die inszenierte Liebesgeschichte um eines der größten Shakespeare-Dramen erwartbar melancholisch-minimalistisch mit (großem) eigenem Orchester, verstärkt von sparsam eingesetzten Renaissance-Instrumenten wie Nyckelharpa, Hurdy Gurdy & Gambe. Wirkungsvoll dabei insbesondere der Einsatz der beiden Chöre, London Voices und Nigel Shors Tenebrae. Richter schrieb & produzierte zudem mit Judith-Kinderdarstellerin & Sängerin Olivia Lynes in Variation eines bekannten Renaissance-Liedes My Robin to the Greenwood did go (Text: Roman-Autorin Maggie O´Farrell), das sich stimmungsvoll einfügt - so weit, so willkommen. Der Einsatz des vorbestehenden, in der Werbung ein Stück weit verbrannten Richter-Tracks On The Nature of Daylight mögen dann jedoch nicht nur beruflich mit der Materie Befasste als `zuviel-des-Guten´ empfinden, zumal das abschließende Of the Undiscovered Country noch einmal in die gleiche Kerbe haut. CD- und Vinyl-Artwork enthalten immerhin exklusive Set-Fotos von Regisseurin & Drehbuch-Ko-Autorin Chloé Zhao. Größte Oscar-Chancen (s.o.) auch für Richter & Co. |
TIPP |
♦ -sr |
Touch me... Zuweilen schmaler Grat zwischen Katharsis & Kitsch: Hamlet fürs (Film-)Theatervolk mit Bad in der Menge.
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